Business to China
2003 war ich zum ersten Mal in China - beruflich. Beim Aufräumen meiner ewig gespeicherten Dateien bin ich nun auf folgenden Reisebericht gestoßen, den ich damals für irgendeine Community im Internet geschrieben hatte. Erklärend habe ich heute noch die Nachträge in Klammern eingeschoben, zum besseren Verständnis. (Und belanglose Sätze rausgelöscht - man lernt nie aus.)
Die Bilder kommen von meiner zweiten Chinareise im Januar 2008 nach Shenzhen. Die Bilder von der ersten Reise hab ich glaube nur im Geschäft gespeichert...
Wie von Sinnen entnahm ich einer mail meines Chefs, dass ich mit nach China sollte. Ich war noch nie so weit weg gewesen und sogar noch nie geflogen.
Die beste Einstellung zu so einer Reise ist immer, sich vorher nichts vorzustellen und nichts großartig zu erwarten. Und so wurde es auch eine der besten Reisen, die ich bisher unternommen habe.
Von Land und Leuten wie man es in den schönen Dokumentationen im Fernsehen sieht, habe ich gar nichts gesehen. Aber die paar Dinge, die anders sind als hier, möchte ich dennoch erzählen.
Am ersten Tag waren mein Kollege und ich in Hong Kong. Die Stadt ist schon berauschend mit den riesigen Hochhäusern. Und sauber ist es da! Auf den Straßen liegt nicht ein Schnipsel Papier.
Von einem Berg aus kann man auf die Stadt schauen und die Wolkenkratzer mal von einer anderen Seite sehen. Das war’s dann aber auch schon, mehr ist da nämlich nicht. Besondere Attraktionen für Touristen gibt es nicht und die tolle Einkaufsstraße haben wir einfach nicht gefunden. Wenn man jedoch immer am Wasser lang geht, sieht man die Stadt von allen Seiten. Es gibt eine Landzunge, auf der alle Bürohochhäuser stehen und „gegenüber“ auf der anderen Landzunge stehen die Wohnhochhäuser. So etwas habe ich noch nie gesehen. Was wir hier „Plattenbauten“ oder „Ghetto“ nennen, ist ein Witz dagegen!
Wenn man dann von Hong Kong nach China will, muss man zwei Kontrollen passieren. Da wir mit dem „GoGoBus“ gefahren sind, hieß das zweimal: aussteigen, Koffer schnappen, rein in eine riesige Halle voller Chinesen, die richtige Schlange finden und warten... [Man stelle sich eine Sporthalle mit ca. 500 Chinesen vor, die alle irgendwie durcheinander stehen.]
Nach automatischer Temperaturmessung (SARS-bedingt) und einer Passkontrolle wieder raus und den richtigen Bus aus – wenn man Pech hat – 30 Bussen rausfinden, reinspringen und weiter. [Die Busse fuhren NICHT durch die Kontrolle durch, sondern wieder zurück. Das heißt der Bus, in den man einsteigen musste, sah immer anders aus. Letztendlich wurde man dann von seinem Bus-Coach gefunden. Dafür hatte auch jeder vorher einen Aufkleber auf die Brust bekommen. Jede Gruppe hatte einen anderen Aufkleber. - Inzwischen kommt man problemlos mit dem Zug rüber oder man fährt mit der Fähre, wenn man nach Shenzhen will.]
Zuerst durchfährt man „Shenzen“, eine Business-Sonderzone [=Stadt], in die nicht jeder rein darf [inzwischen schon]. Hier herrschen besondere Bedingungen für Firmen, sozusagen ein Zwischending zwischen dem sozialistischem China und dem kapitalistischen Hong Kong.
China selbst hat wunderschöne Landschaften, versmokte Städte und riesige Gebiete mit großen Werken. Heutzutage ist jafast alles "Made in China" und Platz dafür ist allemal.
In den Städten muss man sehr aufpassen, besonders als Frau und Geschäftsleute, denn Diebstahl ist da an der Tagesordnung.
Auf den Straßen gilt: Wer bremst verliert, ein deutscher Mercedes-Fahrer würde wahrscheinlich einem Herzinfarkt erleiden ;-) Besonders lustig fand ich den Countdown über den Ampeln. Wenn rot ist zählt die Tafel die Sekunden bis zur Grün-Phase in roten Zahlen runter, bei grün natürlich in grün. An sich eine wirklich gute Erfindung – wenn sich jemand dran halten würde...

Hier haben die Bäume Achselhaare. *gröhl*

Eine Neubausiedlung entsteht (Gerüste natürlich aus Bambus.)
Die Chinesen haben zudem einige Genüsslichkeiten, die es hier einfach nicht gibt. Zum Beispiel ein großes Massage-Haus, wo es jede Menge Zimmerchen mit Liegestühlen und Fußwannen gibt. Die Chinesen (nur Frauen!) lassen ein Kamillenteefußbad ein und während die Füße einweichen werden die Arme, die Hände und der Rücken massiert. Zum Schluss kommt dann die ausgiebige Fußmassage – und die kleinen Frauen haben Kraft in den zarten Fingerchen, das glaubt man kaum! Ich hatte zwar noch Tage danach ein wenig Schmerzen in den Füßen, dafür aber absolut kein Problem, die ganze Zeit in den Business-Schuhen zu laufen. Das war echt eine gute Vorbeugung. Mein Kollege musste sich leider mit blauen Flecken rumquälen ;-) Die ganze Prozedur dauerte übrigens 1,5 Stunden.
Zum Haarewaschen ging es in einen Salon, der völlig anders ist als ein Friseur hier! Mit ein bisschen Wasser aus der Vitelflasche und vieeeeel Shampoo wird erst mal der Kopf massiert, teilweise gekratzt, von vorne bis hinten. [Das ging völlig ohne Waschbecken vor sich!] Dann schön ausgespült [Dazu muss man sich auf den Rücken auf eine gerade Liege legen, so wie ins Bett, und seinen Kopf über's Ende hängen lassen.], Ohren geputzt [Was in Deutschland beim Friseur ein Tabuthema ist, wird dort zelebriert mit Wattestäbchen und Handtuch] und weiter ging es mit Nacken- und Rückenmassage und dann wieder die Arme und Hände. Alles von Frauenhand. Die Männer dürfen dann die Haare fönen, wobei sie bei mir am längsten gebraucht haben, so „anderes“ Haar haben die nicht allzu oft. Natürlich gibt es nur den Einheitslook der Chinesen: glatt und fertig! Bei mir musste recht oft das Glätteisen ran, haha. Danach fehlten mir bloß noch die Schlitzaugen! Aber für eine Stunde (wovon 10 Minuten waschen und 5 Minuten fönen war und der Rest Massage) bezahlt man eben maximal 1,50 Euro... Wer wäscht sich da noch selbst die Haare?
Das beste war aber „K-TV“, also Karaoke. Im Hotel gab es eine extra Etage dafür mit vielen Gängen und jede Menge Wohnzimmern. Alleine hätte ich mich sicher drin verlaufen. Wenn man dann gemütlich auf der Couch hockt und Getränke und Früchte nascht, kommen auch schon die netten jungen Frauen rein, stellen sich in einer Linie auf und man kann sich eine oder mehrere raussuchen. Die Damen in knappen Kleidern bedienen einen dann den Abend über, spielen Würfelspielchen, gehen mit einem in die Disko oder massieren - wenn man will bekommt man nachher auch mehr. Es ist eine perfekte Mischung aus Party und Rotlicht – und so selbstverständlich wie bei uns das Abendessen!
Tagsüber sind wir ein Werk nach dem anderen abgeklappert und haben uns angeschaut, wie die Teile, die wir verkaufen, hergestellt werden. Die Arbeitsbedingungen dort sind natürlich auch völlig anders, da würde von uns keiner arbeiten gehen! Von morgens 7 Uhr bis abends 11 Uhr, mit den Pausen zum Essen in der Kantine, sitzen die meist nur jungen Frauen an langen Tischen oder Fließbändern und machen den ganzen Tag ein und dasselbe! Frauen haben bessere motorische Fähigkeiten und werden deshalb bevorzugt. Ein und dieselbe Arbeit, weil das Bildungsniveau extrem weit unten ist und anspruchsvollere Aufgaben auch mehr Fehler mit sich bringen. Bei uns unvorstellbar! [Die meisten Arbeiterinnen kommen von weit aus dem Inland aus Lehmdörfern, tausend(e) Kilometer weg.] Die Arbeiter wohnen alle beim Werk. Meist besteht das Firmengelände aus drei Gebäuden: Verwaltung, Werk und das Arbeiterwohnheim. Letzteres erkennt man überall daran, dass es ein großes Haus mit jede Menge Balkons ist und auf jedem Balkon hängen Klamotten zum Trocknen draußen.

Wohnhaus eines Werkes (fotografiert aus einer Lagerhalle)

Wohnhaus

Es gibt natürlich auch schönere Wohngegenden, dafür sind die aber auch teurer.


Die typischen Bauern mit ihren kleinen Feldern und den selbst gebastelten Hütten sieht man in solchen Gegenden natürlich kaum, aber sie sind trotzdem da, manchmal sogar direkt neben einem supermoderen Werk. Man erkennt deutlich ein Drei-Klassen-System: ganz unten die „Reisbauern“, unten die Arbeiter in den Werken, dann kommt eine Weile nix und ganz oben die leitenden Personen, die oftmals aus Taiwan oder anderen nahen kapitalistischen Gegenden kommen.
Wenn man als Tourist nach China kommt, sieht man solche Gebiete sicher nicht, denn dort gibt es nichts für Touristen. Keine Tempel, keine Museen, nichts. Die Leute dort haben auch noch nie eine europäische Frau gesehen. Manchmal kam ich mir vor wie eine Schaufensterpuppe oder ein Superstar, der mit großen Augen angestarrt wird.
Das wovor es wahrscheinlich allen graut – das Essen – war eigentlich gar nicht so schlimm. Die meisten Geschäftspartner haben versucht, so normales Essen wie möglich aufzutischen und es gibt auch Messer und Gabel wenn man’s braucht ;-) Nur einmal mussten wir die Bekanntschaft mit wirklich unbekanntem, undefinierbaren und nicht allzu appetitlichem Essen machen. Das beste ist in dem Falle wirklich: Mund auf, Augen zu, rein damit und ohne viel Kauen runterschlucken, haha! Ich weiß bis heute nicht, was wir da aßen. Aber ehrlich, ich will es auch nicht wissen! [Inzwischen vermute ich Tintenfisch/jellyfish.] Ebenfalls nicht zu empfehlen sind fritierte Hühnerfüße, die haben doch einen sehr eigenen Geschmack! [Wird üblicherweise zum Frühstück gegessen. Überhaupt essen Chinesen zum Frühstück immer warm, Suppe oder sowas wie Gulasch.] Von [Affen,] Hunden und Katzen blieben wir zum Glück verschont, ebenso von „Chicken Balls“ (Hühnerhoden) und der Vogelgafersuppe – ich hoffe Ihr esst nicht gerade beim Lesen ;-)

Das schaut noch richtig lecker aus. Probiert habe ich es nicht, das haben meine Kollegen vernichtet. Einer davon Chinese...

Der Hinterhof eines Restaurants. Der Koch bereitet da grade das Essen auf dem Boden zu. Ab und zu hat ihn auch ein Hund dabei besucht.
Ich war da übrigens nicht essen.
Lustig wurde es auch auf einer Toilette in einem Restaurant. [Amerikanisches Steakhaus.] Zwar gab es Kabinen für die Frau – aber in den Kabinen war im Boden nur eine Wanne eingelassen, ähnlich einer Duschwanne. Liebe Frauen, stellt Euch vor Ihr habt ein Kostüm mit Strumpfhosen und Stöckelschuhen an, seid froh dass Ihr da rein gekommen seid ohne einen Faden zu ziehen und Ihr müsst dringend pieseln :-) Übrigens, einen Haltegriff oder so was gab es nicht, die Wanne war zu breit zum Hocken und neben der Wanne auf dem Boden waren undefinierbare Flüssigkeitsflecken. *fg* Ich bin überzeugt, für diese akrobatische Meisterleistung hätte ich einen Orden verdient. *lol*

Typisches China-Klo, allerdings die kleine Variante. Das Damentoiletten hatten erheblich größere Wannen und meist eine viel flachere Vertiefung.
Die Reise war sicher ein Highlight in meinem Leben und falls Ihr mal dazu kommen solltet, lasst Euch dieses andere Erlebnis nicht nehmen und fliegt auch mal dahin! [Neeeein, tut es bloß nicht!!!]
Die Bilder kommen von meiner zweiten Chinareise im Januar 2008 nach Shenzhen. Die Bilder von der ersten Reise hab ich glaube nur im Geschäft gespeichert...
Wie von Sinnen entnahm ich einer mail meines Chefs, dass ich mit nach China sollte. Ich war noch nie so weit weg gewesen und sogar noch nie geflogen.
Die beste Einstellung zu so einer Reise ist immer, sich vorher nichts vorzustellen und nichts großartig zu erwarten. Und so wurde es auch eine der besten Reisen, die ich bisher unternommen habe.
Von Land und Leuten wie man es in den schönen Dokumentationen im Fernsehen sieht, habe ich gar nichts gesehen. Aber die paar Dinge, die anders sind als hier, möchte ich dennoch erzählen.
Am ersten Tag waren mein Kollege und ich in Hong Kong. Die Stadt ist schon berauschend mit den riesigen Hochhäusern. Und sauber ist es da! Auf den Straßen liegt nicht ein Schnipsel Papier.
Von einem Berg aus kann man auf die Stadt schauen und die Wolkenkratzer mal von einer anderen Seite sehen. Das war’s dann aber auch schon, mehr ist da nämlich nicht. Besondere Attraktionen für Touristen gibt es nicht und die tolle Einkaufsstraße haben wir einfach nicht gefunden. Wenn man jedoch immer am Wasser lang geht, sieht man die Stadt von allen Seiten. Es gibt eine Landzunge, auf der alle Bürohochhäuser stehen und „gegenüber“ auf der anderen Landzunge stehen die Wohnhochhäuser. So etwas habe ich noch nie gesehen. Was wir hier „Plattenbauten“ oder „Ghetto“ nennen, ist ein Witz dagegen!
Wenn man dann von Hong Kong nach China will, muss man zwei Kontrollen passieren. Da wir mit dem „GoGoBus“ gefahren sind, hieß das zweimal: aussteigen, Koffer schnappen, rein in eine riesige Halle voller Chinesen, die richtige Schlange finden und warten... [Man stelle sich eine Sporthalle mit ca. 500 Chinesen vor, die alle irgendwie durcheinander stehen.]
Nach automatischer Temperaturmessung (SARS-bedingt) und einer Passkontrolle wieder raus und den richtigen Bus aus – wenn man Pech hat – 30 Bussen rausfinden, reinspringen und weiter. [Die Busse fuhren NICHT durch die Kontrolle durch, sondern wieder zurück. Das heißt der Bus, in den man einsteigen musste, sah immer anders aus. Letztendlich wurde man dann von seinem Bus-Coach gefunden. Dafür hatte auch jeder vorher einen Aufkleber auf die Brust bekommen. Jede Gruppe hatte einen anderen Aufkleber. - Inzwischen kommt man problemlos mit dem Zug rüber oder man fährt mit der Fähre, wenn man nach Shenzhen will.]
Zuerst durchfährt man „Shenzen“, eine Business-Sonderzone [=Stadt], in die nicht jeder rein darf [inzwischen schon]. Hier herrschen besondere Bedingungen für Firmen, sozusagen ein Zwischending zwischen dem sozialistischem China und dem kapitalistischen Hong Kong.
China selbst hat wunderschöne Landschaften, versmokte Städte und riesige Gebiete mit großen Werken. Heutzutage ist ja
In den Städten muss man sehr aufpassen, besonders als Frau und Geschäftsleute, denn Diebstahl ist da an der Tagesordnung.
Auf den Straßen gilt: Wer bremst verliert, ein deutscher Mercedes-Fahrer würde wahrscheinlich einem Herzinfarkt erleiden ;-) Besonders lustig fand ich den Countdown über den Ampeln. Wenn rot ist zählt die Tafel die Sekunden bis zur Grün-Phase in roten Zahlen runter, bei grün natürlich in grün. An sich eine wirklich gute Erfindung – wenn sich jemand dran halten würde...

Hier haben die Bäume Achselhaare. *gröhl*

Eine Neubausiedlung entsteht (Gerüste natürlich aus Bambus.)
Die Chinesen haben zudem einige Genüsslichkeiten, die es hier einfach nicht gibt. Zum Beispiel ein großes Massage-Haus, wo es jede Menge Zimmerchen mit Liegestühlen und Fußwannen gibt. Die Chinesen (nur Frauen!) lassen ein Kamillenteefußbad ein und während die Füße einweichen werden die Arme, die Hände und der Rücken massiert. Zum Schluss kommt dann die ausgiebige Fußmassage – und die kleinen Frauen haben Kraft in den zarten Fingerchen, das glaubt man kaum! Ich hatte zwar noch Tage danach ein wenig Schmerzen in den Füßen, dafür aber absolut kein Problem, die ganze Zeit in den Business-Schuhen zu laufen. Das war echt eine gute Vorbeugung. Mein Kollege musste sich leider mit blauen Flecken rumquälen ;-) Die ganze Prozedur dauerte übrigens 1,5 Stunden.
Zum Haarewaschen ging es in einen Salon, der völlig anders ist als ein Friseur hier! Mit ein bisschen Wasser aus der Vitelflasche und vieeeeel Shampoo wird erst mal der Kopf massiert, teilweise gekratzt, von vorne bis hinten. [Das ging völlig ohne Waschbecken vor sich!] Dann schön ausgespült [Dazu muss man sich auf den Rücken auf eine gerade Liege legen, so wie ins Bett, und seinen Kopf über's Ende hängen lassen.], Ohren geputzt [Was in Deutschland beim Friseur ein Tabuthema ist, wird dort zelebriert mit Wattestäbchen und Handtuch] und weiter ging es mit Nacken- und Rückenmassage und dann wieder die Arme und Hände. Alles von Frauenhand. Die Männer dürfen dann die Haare fönen, wobei sie bei mir am längsten gebraucht haben, so „anderes“ Haar haben die nicht allzu oft. Natürlich gibt es nur den Einheitslook der Chinesen: glatt und fertig! Bei mir musste recht oft das Glätteisen ran, haha. Danach fehlten mir bloß noch die Schlitzaugen! Aber für eine Stunde (wovon 10 Minuten waschen und 5 Minuten fönen war und der Rest Massage) bezahlt man eben maximal 1,50 Euro... Wer wäscht sich da noch selbst die Haare?
Das beste war aber „K-TV“, also Karaoke. Im Hotel gab es eine extra Etage dafür mit vielen Gängen und jede Menge Wohnzimmern. Alleine hätte ich mich sicher drin verlaufen. Wenn man dann gemütlich auf der Couch hockt und Getränke und Früchte nascht, kommen auch schon die netten jungen Frauen rein, stellen sich in einer Linie auf und man kann sich eine oder mehrere raussuchen. Die Damen in knappen Kleidern bedienen einen dann den Abend über, spielen Würfelspielchen, gehen mit einem in die Disko oder massieren - wenn man will bekommt man nachher auch mehr. Es ist eine perfekte Mischung aus Party und Rotlicht – und so selbstverständlich wie bei uns das Abendessen!
Tagsüber sind wir ein Werk nach dem anderen abgeklappert und haben uns angeschaut, wie die Teile, die wir verkaufen, hergestellt werden. Die Arbeitsbedingungen dort sind natürlich auch völlig anders, da würde von uns keiner arbeiten gehen! Von morgens 7 Uhr bis abends 11 Uhr, mit den Pausen zum Essen in der Kantine, sitzen die meist nur jungen Frauen an langen Tischen oder Fließbändern und machen den ganzen Tag ein und dasselbe! Frauen haben bessere motorische Fähigkeiten und werden deshalb bevorzugt. Ein und dieselbe Arbeit, weil das Bildungsniveau extrem weit unten ist und anspruchsvollere Aufgaben auch mehr Fehler mit sich bringen. Bei uns unvorstellbar! [Die meisten Arbeiterinnen kommen von weit aus dem Inland aus Lehmdörfern, tausend(e) Kilometer weg.] Die Arbeiter wohnen alle beim Werk. Meist besteht das Firmengelände aus drei Gebäuden: Verwaltung, Werk und das Arbeiterwohnheim. Letzteres erkennt man überall daran, dass es ein großes Haus mit jede Menge Balkons ist und auf jedem Balkon hängen Klamotten zum Trocknen draußen.

Wohnhaus eines Werkes (fotografiert aus einer Lagerhalle)

Wohnhaus

Es gibt natürlich auch schönere Wohngegenden, dafür sind die aber auch teurer.


Die typischen Bauern mit ihren kleinen Feldern und den selbst gebastelten Hütten sieht man in solchen Gegenden natürlich kaum, aber sie sind trotzdem da, manchmal sogar direkt neben einem supermoderen Werk. Man erkennt deutlich ein Drei-Klassen-System: ganz unten die „Reisbauern“, unten die Arbeiter in den Werken, dann kommt eine Weile nix und ganz oben die leitenden Personen, die oftmals aus Taiwan oder anderen nahen kapitalistischen Gegenden kommen.
Wenn man als Tourist nach China kommt, sieht man solche Gebiete sicher nicht, denn dort gibt es nichts für Touristen. Keine Tempel, keine Museen, nichts. Die Leute dort haben auch noch nie eine europäische Frau gesehen. Manchmal kam ich mir vor wie eine Schaufensterpuppe oder ein Superstar, der mit großen Augen angestarrt wird.
Das wovor es wahrscheinlich allen graut – das Essen – war eigentlich gar nicht so schlimm. Die meisten Geschäftspartner haben versucht, so normales Essen wie möglich aufzutischen und es gibt auch Messer und Gabel wenn man’s braucht ;-) Nur einmal mussten wir die Bekanntschaft mit wirklich unbekanntem, undefinierbaren und nicht allzu appetitlichem Essen machen. Das beste ist in dem Falle wirklich: Mund auf, Augen zu, rein damit und ohne viel Kauen runterschlucken, haha! Ich weiß bis heute nicht, was wir da aßen. Aber ehrlich, ich will es auch nicht wissen! [Inzwischen vermute ich Tintenfisch/jellyfish.] Ebenfalls nicht zu empfehlen sind fritierte Hühnerfüße, die haben doch einen sehr eigenen Geschmack! [Wird üblicherweise zum Frühstück gegessen. Überhaupt essen Chinesen zum Frühstück immer warm, Suppe oder sowas wie Gulasch.] Von [Affen,] Hunden und Katzen blieben wir zum Glück verschont, ebenso von „Chicken Balls“ (Hühnerhoden) und der Vogelgafersuppe – ich hoffe Ihr esst nicht gerade beim Lesen ;-)

Das schaut noch richtig lecker aus. Probiert habe ich es nicht, das haben meine Kollegen vernichtet. Einer davon Chinese...

Der Hinterhof eines Restaurants. Der Koch bereitet da grade das Essen auf dem Boden zu. Ab und zu hat ihn auch ein Hund dabei besucht.
Ich war da übrigens nicht essen.
Lustig wurde es auch auf einer Toilette in einem Restaurant. [Amerikanisches Steakhaus.] Zwar gab es Kabinen für die Frau – aber in den Kabinen war im Boden nur eine Wanne eingelassen, ähnlich einer Duschwanne. Liebe Frauen, stellt Euch vor Ihr habt ein Kostüm mit Strumpfhosen und Stöckelschuhen an, seid froh dass Ihr da rein gekommen seid ohne einen Faden zu ziehen und Ihr müsst dringend pieseln :-) Übrigens, einen Haltegriff oder so was gab es nicht, die Wanne war zu breit zum Hocken und neben der Wanne auf dem Boden waren undefinierbare Flüssigkeitsflecken. *fg* Ich bin überzeugt, für diese akrobatische Meisterleistung hätte ich einen Orden verdient. *lol*

Typisches China-Klo, allerdings die kleine Variante. Das Damentoiletten hatten erheblich größere Wannen und meist eine viel flachere Vertiefung.
Die Reise war sicher ein Highlight in meinem Leben und falls Ihr mal dazu kommen solltet, lasst Euch dieses andere Erlebnis nicht nehmen und fliegt auch mal dahin! [Neeeein, tut es bloß nicht!!!]
Bisch - 31. Okt, 20:53
1 Kommentar - Kommentar verfassen - 0 Trackbacks






