7: Text intern
Es war schon spät und ich schaltete den Fernseher aus, um ins Bett zu gehen. Im Wohnzimmer brannte noch das übliche Licht. Der Nebenraum, mein kleiner Speisesaal, lag im Dunkeln, aber ich konnte durch den offenen altmodischen Türbogen das Mondlicht sehen, das durch das Fenster herein schien.
Ich ging vorbei, hin zur Treppe, schaltete das Licht oben an und im Wohnzimmer aus. Auf einmal spürte ich etwas. Der Lichtstrahl des Mondes verdunkelte sich. Mich packte die Angst. "Da ist jemand im Nebenraum", dachte ich. Aber eben hatte ich noch hinein geschaut - niemand da! Ich wollte die Treppe hochrennen, davonlaufen, mich verstecken. Aber instinktiv wusste ich, dass ich mich stellen musste. Es gab kein Ausweichen, kein Fliehen.
Die Angst lähmte mich fast. Gedanken rasten durch meinen Kopf. Wer könnte das sein? Wer bedroht mich? Wer will mir etwas böses antun? Ich fand keine Antworten. Und das schlimmste war: Ich hörte nichts. Nur meinen eigenen hastigen Atem und das Rasen meines Herzens.
Gerade so schaffte ich es, mich herumzudrehen. Noch sah ich nichts, aber ich spütre die Anwesenheit, die Bedrohung und meine furchtbare Angst. Ich ging die drei Stufen hinab, die ich schon hochgegangen war und lief langsam zum Türbogen. Schritt für Schritt. Es kam auf mich zu, wer oder was auch immer es war. Ich hörte nur meinen Atem und meine eigenen langsamen Schritte auf dem Parkett. Gleich, gleich würde etwas schlimmes passieren. Ich spürte es in jeder Zelle meines Körpers.
Aber ich musste mich stellen, das wusste ich tief in mir. Wer oder was auch immer die Bedrohung sein mochte, ich hatte keine andere Wahl als meine Angst zu besiegen.
Kurz vor dem Nebenraum spürte ich nun ganz deutlich eine dunkle Gestalt, eine große bedrohliche Macht. ich hatte furchtbare Angst. Die letzten Schritte waren pure Folger. Aber dann, als ich um die Ecke in den Nebenraum sah, da stand die Person vor mir. Ich schrie, denn ich sah mir selbst ins Gesicht.
Genau so vor ein paar Jahren geträumt. ;-)
Hoffnung - dafür isst immer noch Zeit.
Wenn nicht heute, dann morgen.
Spätestens aber dann,
wenn die Kraft dafür schon nicht mehr da ist.
Und in der Zwischenzeit, da bleibt ein Klammern, ein Festkrampfen an dem, was man doch gar nicht hat.
Nur eine Illusion des Seins, aber eine verdammt reale.
Wenn jeder Tag für sich genommen eine Hürde ist
und die Leichtigkeit nur mit der Müdigkeit und
dem Loslassen in den Schlaf kommt,
ja wo ist dann der Wert?
Wenn es dem eigentlichen Sein widerspricht,
dieses trostlose Durchkämpfen,
wo ist dann der Schalter zum Umlegen der Weichen?
Warum tut es so weh zu erkennen:
Meine Zeit ist vorbei?
All das Vertraute, wo ist es hin?
Eine neue Ära hat begonnen,
Aber ohne mich.
Ich gehöre nicht mehr dazu.
Ich will nicht mehr dazu gehören,
Denn so wie es mal war, so ist es nicht mehr.
Oder habe ich mir auch da etwas vorgemacht?
Ich hatte immer Angst vor diesem Moment
Aber ich wußte, dass er kommen würde.
Ich kralle mich an etwas fest, was nicht mehr da ist.
Und zugleich habe ich schon losgelassen.
Ein Mensch, so anders, außen, fremd.
Mit beobachtenden Augen gesehen, ein sonderbares Geschöpf.
Nicht gleih, wundersam, erstaunlich, faszinierend.
Das Äußere, die Haut, die Haare, die Lippen, der ganze Körper. So anders.
Das Innere, so verrückt, mit seltsamen Ansichten.
Das Leben in einem ganz anderen Blick.
Womöglich völlig falsch.
Vielleicht aber auch was Wahres dran.
Woher weiß man das schon!
Hinsehen, das Innere hören, nicht möglich.
Und doch...
Dieser vertraute Blick, die Augen als Tor zur Seele.
Und die bekannten Bewegungen, manche schon vorhersehbar.
Die gleiche Wärme, die fürsorglich schützt.
Fragen lohnt sich eigentlich nicht, die Antworten sind klar.
Zumindest theoretisch. Aber was wollen sie wirklich sagen?
Dann der Schalk im Nacken, das Zucken der Mundwinkel.
Sich hinein fallen lassen und doch außerhalb sein.
Das ist der Reiz oder? Das macht es aus.
Mal wieder ein Text aus vergangenen Zeiten, diesmal eingescannt, weil es so besser wirkt:

"Auf dieser Welt gibt es keine Hürde, die ich nicht nehmen kann. Die Leute sagen, ich werde es nicht schaffen. Sie denken, ich schwebe auf großen Wolken. Und eines Tages, da wird es vorbei sein. Alles wird so wie immer sein. Nein, nichts wird jemals wieder so wie es war. ich weiß nicht, was es ist, dieses Gefühl. Ist es die Geborgenheit, die mir fehlt, oder die Sehnsucht nach lieben Menschen? Ist es die Liebe, die ich nicht zu existieren glaubte? und immer, wenn ich die Melodie höre, bekommt mein Herz einen Stich. Aus zehn Stichen wächst eine Kraft. Es wird keine Hürde auf der Welt geben, die ich nicht besiegen kann."
Geschrieben am 28.08.1997, mit 17 - als ich wusste, dass ich von Dresden nach Mannheim ziehen werde. Ich wusste nicht wie, ich wusste nicht wann, ich wusste nur, dass!
Am 02.08.1998 im Alter von 18 kam ich dann in Mannheim an. Seit dem bin ich hier in der Rhein-Neckar-Region. *grins* Und es gab bisher noch keine Hürde, die ich nicht nehmen konnte, auch hier nicht. :-)
Eines schönen Tages wollte es die Ameise endlich wissen. Sie nahm sich ihr Tischtuch, legte einen zerkleinerten Grashalm und eine Tannennadel darauf, dazu ihre Gummistiefel und den Wintermantel, verknotete darüber die Ecken des Tuches zu einem Bündel, welches sie auf das Ende eines Stockes hing, und schloß sorgfältig, nicht ohne die Kontrolle, ob alle Fensterläden geschlossen waren, die Haustüre zu. Den Schlüssel versteckte sie in der Regenrinne.
Tief atmete sie ein und sagte: „Auf geht’s!“
...
Weiter geht's hier:
Von der Ameise und der Welt voller Fragen
Geschrieben 1998 (mit 18) und später in einem Sammelband veröffentlicht vom nicht mehr existierenden Biblioviel-Verlag.